NUR DER ANFANG
BERLIN AN DER SPREE

ERSCHEINT IM
APRIL 2016

Schon Tausend Mal gehört hat man die Geschichte von dem jungen Kreativen, der seine „großen Träume“ in der großen Stadt erfüllen will. Und hier ist dann meist auch schon das Ende erreicht. Patient gestorben, ertrunken in den vielen Bars, umringt von lauter Gleichgesinnten.

BRANDO schreibt eine ganz andere Geschichte
Alles beginnt vor ein paar Jahren in einer Berliner WG in der Gabriel-Max-Strasse in Friedrichshain. Dort entstehen Brandos erste Texte und Ideen. Ohne ein Ziel. Ohne einen Fahrplan. Aufnahmen, Studio oder ein Album – völlig undenkbar. Es entstehen zunächst eher Gedichte, die ohne Musik zu Poetry-Slam-artigen Texten zerfallen. Mal gibt es einen Chorus, mal nicht. Mal werden es zehn Zeilen, mal Dutzende, mal Hunderte.


Anstoß
Zeit vergeht. Einige aus dem WG-Freundeskreis und aus Brando’s eigenem Umfeld haben einen musikalischen oder künstlerischen Hintergrund. Mittlerweile hauptberuflich. Mittlerweile sieht man sich aber auch seltener. Die Zeit. Der Alltag. Mit der Idee, ein Projekt zu finden, als Anlass der alle wieder öfters zusammenbringt, fällt dann die Entscheidung. Im Jahr 2013 beginnt, ganz leise und unbemerkt, ein Stein zu kullern.

Der Schritt ins Studio: Ein Song soll aufgenommen werden. Warum auch nicht? BerlinanderSpree. Der Text über die Mutterstadt. Der größte gemeinsame Nenner. Mittlerweile greift jemand zur Gitarre und unterlegt Brando’s Texte mit Fragmenten und Anspielungen. Jemand baut einen Beat. Auf Schablonen wie Strophenlängen oder Refrain-Repetition will niemand Rücksicht nehmen. Schichtbetrieb. Schicht um Schicht verdickt sich der erste Song und wird aus Versehen zu einer ganzen EP. Zu viele Steine rollen bereits. Immer öfter trifft man sich wieder, immer weniger zufällig, an immer mehr Orten. Die Familie bekommt neue Mitglieder.

Wer nur für ein Riff kommt, bleibt die ganze Nacht und hilft einem ganz anderen, neuen Song auf die Welt. Zahllose One-Takes, Streicher, analoge Mischpulte, Ampex-Bänder, Rhodes Pianos, live Drums und ein Bösendorfer-Flügel später: Aus der EP ist ein ganzes Album geworden – irgendwie „aus Versehen“.

Inhaltlich ist es eine Reise um die Welt und in den Mensch: Kind-, Jung- und Erwachsensein, Sex-Göttinnen und Basketball-Idole, gesunde und kaputte Liebe. Mal euphorisch, mal melancholisch erzählt. Mal im Raum dazwischen.


Die Dynamik

Timelapse-Fotostrecken kommen hinzu, Sonntags-Sonnenaufgangs-Go-Pro-Fahrten durch ein leeres Berlin, Fotos und TapeArt in vergessenen Industriegebäuden mitten in der Stadt. Um Brando ist jetzt plötzlich ein Umfeld entstanden, das Antrieb gibt - und das einstige Text-Projekt zu einer Musik-Bild-Video-Welt wachsen lässt und bei dem bisher fast 40 Menschen zu irgendeinem Zeitpunkt mal mit angepackt haben, ohne große Worte zu verlieren. Vor allem die Dynamik ist der große Motor. Jene Dynamik, die in den Momenten entsteht: Wenn mal wieder aus Versehen eine Regel verletzt wird und es sich plötzlich anfühlt, als habe man einen Schatz entdeckt, der die ganze Zeit vor den eigenen Füßen lag. Funkeln in den müden Augen – nachts um vier, wenn die anderen schon lange schlafen.


Das Ergebnis

Ein Gesamtwerk von Brando und seinen Berliner Freunden, über das bisher niemand gesprochen hat: Ein Album gegen Strom – ohne Hit-Schemata, künstlerisch statt künstlich. Ein greifbarer Bilderfluss, als fliege man durch Instagram-Welten.

Ende der Durchsage. Oder? Denn jedes gesetzte Ziel, jeder gefasste Plan, jedes geglaubte Ende – war ja bisher immer „Nur der Anfang“.